Moin moin,
wo doch schon fast das nächste Wochenende vor der Tür steht möchte ich euch noch kurz von meinem letzten Wochenende berichten. Nachdem ich Samstag einige Dinge am Computer erledigt habe, bin ich Sonntag dann mal Richtung Lake Isabella aufgebrochen.
Lake Isabella ist ein in den Bergen liegendes Wasserreservoir, dass über den Kern River den südlichen Teil des Central Valleys mit Wasser versorgt. Kern River war eigentlich auch der Grund, warum ich mich mal in die Richtung auf gemacht habe. Seit sehr langer Zeit führt Kern River nämlich in Bakersfield mal wieder Wasser in seinem sonst staubtrockenen Flussbett. Ich habe mich also auf dem Highway 178 Richtung Osten auf gemacht.
Schon wenige Meilen hinter Bakersfield werden die bewässerten Felder weniger, und der Wegesrand wird von nur noch wenigen lückenhaften Plantagen geziert. Noch ein paar Meilen weiter sieht man dann, warum Kern River meistens in Bakersfield kein Wasser mehr führt.
Über große Betonkanäle wird das Wasser dem Fluss entnommen, und den Bewässerungskanälen der Landwirtschaft zugeführt. Wenige Meter weiter denkt man dann, das Tal und die Straße sind jeden Moment zu Ende, aber es gibt eine kleine Lücke in den Bergen.
Von hier an windet sich der Highway 178 entlang dem Kern River in einem schmalen Canyon in die Berge. Teilweise ragen die überhängenden Felsen so weit in die Fahrbahn hinein, dass man Angst haben muss, mit dem Spiegel oder der Dachkante des Pick Ups daran hängen zu bleiben. Jeder Motorradfahrer würde bei dieser kurvenreichen Straße mit Sicherheit leuchtende Augen bekommen - zumal sie zu dieser Jahreszeit auch noch nicht so überlaufen ist. Im Sommer lädt der Fluss zum raften ein, und der See und seine umliegenden Campingplätze locken auch den einen oder anderen Touristen an. Aber noch ist es für diverse Outdooraktivitäten zu kalt.
Wie man auf dem letzten Foto sieht, kommt auch hier in den Bergen so langsam der Frühling - zumindest blüht gerade mal alles, was dort irgendwie wächst.
Je weiter ich Richtung Lake Isabella kam, desto breiter wurde das Tal, und schon bald wurde die Straße auch wieder "amerikatypisch" vierspurig mit breit ausgebautem Pannenstreifen.
Und dann lag er irgendwann vor mit. Die Kurven hatte ich schon nicht mehr gezählt, und hinter einem großen Wall aus Geröll war dann der See zu sehen.
Die Ufer des Sees gleichen irgendwie einer Mondlandschaft. Das liegt hauptsächlich daran, dass der See schon seit einigen Jahren nicht mehr komplett gefüllt werden kann, da einer der beiden Dämme einige Risse bekommen hat. Da direkt unterhalb dieses Dammes eine Mobilhome-Park angesiedelt ist, und man nicht unbedingt noch mehr Mobilhomes in Bakersfield benötigt, hat man sich entschlossen, den Damm nicht mehr weiter zu belasten, und lieber das Wasser kontrolliert abfließen zu lassen. Und da der Staat Kalifornien ziemlich pleite ist, wird sich an diesem Zustand in naher Zukunft auch nicht viel ändern. Ich habe auf jeden Fall die Gelegenheit genutzt, und bin mal ein bisschen an den kargen Seeufern herum gefahren, und habe mich dabei permanent nach meinem Unimog gesehnt. Der wäre hier echt super gewesen. Denn auch auf der anderen Seite der Strasse gab es überall tolle Geländestrecken in die Berge.
Einige wenige hatten sich auch schon mit ihrem kleinen Camper ans Seeufer verirrt.
Jemand anders zog einsam seine Kreise. Denn Anleger oder Stege sind an diesem Reservoir nicht zu finden. Sliprampen waren alles, was ich gesehen habe. Kein Hafen, kein Ausflugslokal, keine Anlegemöglichkeit.
Eigentlich war hier gar nichts los....
Deswegen habe ich mich dann auch schon bald auf den Rückweg Richtung Bakersfield gemacht. Nur dass ich diesmal den Highway 155 nehmen wollte. Weil den Highway 178 kenne ich ja jetzt schon. Highway 155 Beginnt unmittelbar am Lake Isabelle, und führt über die Berge zurück ins Central Valley nach Delano. Zuerst schraubt er sich aber mal sehr steil in die Berge, und schon nach wenigen Meilen hat man einen Pass mit 6102 ft erreicht.
Die Vegetation ist komplett anders als auf dem Hinweg, und erinnert mich sehr stark an Kanada. Viele Bäume säumen den Wegesrand, und schon bald verschwinde ich auch in den Wolken. Am Pass angekommen mache ich einen kurzen Abstecher zum Shirley Meadows Skigebiet. Skifahren ist zwar nicht mehr möglich, aber es sind noch großflächig Schneereste vorhanden, und auch das Equipment steht noch da, wo es einige Wochen zuvor nach dem letzten Gebrauch abgestellt wurde.
Weiter ging es dann wieder bergabwärts raus aus dem Nebel durch etliche Kurven - ja eigentlich besteht der Highway 155 nur aus Kurven. Von der Winterlandschaft oben auf dem Pass ging es durch den Frühling vorbei an saftig grünen Bergwiesen und blühenden Bäumen....
.... immer weiter dem Sommer im Tal entgegen. Denn im Valley sind die nicht bewässerten Wiesen schon wieder braun. Leider hatte sich das Wetter deutlich verschlechtert, so dass wir im Tal mal wieder einige heftige Regenschauer hatten, was die Stimmung auf den Bildern nicht gerade hebt. Aber Regen müsstet ihr in Deutschland ja auch im Moment recht gut kennen *grins*. Ich finde ihn hier mal recht abwechslungsreich. Gibt es halt selten....
Dieses Foto ist dann wieder am Rande des Highway 65 entstanden - zig Pumpen fördern hier das zähflüssige und mit Dampf pumpbar gemachte schwarze Gold aus dem Untergrund. Denn der südliche Teil des Central Valley ist neben der Landwirtschaft vor allem für die Ölförderung bekannt.
Auf jeden Fall erreiche ich im Regen mein Hotel nach dieser kleinen Rundfahrt. Auch wenn das Wetter nicht das Beste war, habe ich trotzdem mal wieder einen tollen Eindruck von der Umgebung bekommen, und ich muss sagen, ich bin echt fasziniert, wie schnell sich hier das Landschaftsbild komplett ändert.
Soviel für den Moment!
Gruß Niklas
(aus dem wieder sonnig warmen Kalifornien)

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