Mittwoch, 24. Februar 2010

Imperial Valley - viel intensive Landwirtschaft unter Normal-Null

So, da bin ich wieder. Nach einem interessanten zweiten Tag mit vielen guten Kundengesprächen und vielen neuen Eindrücken möchte ich euch von dieser Gegend berichten.
Hier seht ihr mal ein Satellitenbild des ganzen Tals, oder besser gesagt dem Berich des Tals, in dem wir uns im Moment befinden. Am unteren Bildrand verläuft die Grenze nach Mexiko, und das obere Ende bildet der 'Salted Sea', ein See, der mehrere ft unter dem Meeresspiegel liegt, wie übrigens weite Teile des Imperial Valley, und der 1905 durch einen Dammbruch am Colorado River entstanden ist. In den zwei Jahren, die es dauerte, bis der Dammbruch unter Kontrolle gebracht werden konnte, ist der See auf 974 km² angewachsen, und ist damit der größte See Kaliforniens. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft in seinem Zuflussgebiet (der 'New River', der dreckigste Fluss der USA, mündet in den abflusslosen See) und der in diesem Gebiet intensiven Bewässerung ist der See jedoch heutzutage mit 4,4% Salzgehalt für viele Tierarten zu salzig. Außerdem begünstigen eingeleitete Nährstoffe und Chemikalien aus der Landwirtschaft gerade in den heißen Sommermonaten immer wieder ein massives Algenwachstum und dann ein 'umkippen' des Sees.

An den Ufern sieht man teils starke Salzkrusten.

Direkt neben dem See befinden sich einige geothermische Kraftwerke. Dabei wird durch die an dieser Stelle sehr dünne Erdkruste aufgewärmtes Grundwasser empor gefördert, und mit Hilfe dieser Erdwärme werden große Dampfturbinen in Bewegung versetzt, die dann zur Stromgewinnung genutzt werden. Das emporgeförderte Wasser wird wieder in den Untergrund injiziert, da es sehr viele Schwermetalle enthält, und sonst nicht zu gebrauchen ist. Außerdem kann es so, nachdem es im Untergrund wieder aufgewärmt worden ist, direkt wieder zur Energiegewinnung genutzt werden.


Hier mal ein Bild eines Bohrturms, mit dem immer neue 'Quellen' erschlossen werden.

Aber neben der Geothermie ist für uns natürlich die Landwirtschaft ein deutlich wichtigerer Punkt. Schließlich kann man ja kein warmes Wasser zu Ballen pressen ;-)
Wie man schon auf dem Satellitenbild weiter oben sehen kann, ist das Tal sehr grün. Das hängt damit zusammen, dass das ganze Tal mit einem ausgeklügelten System aus Be- und Entwässerungsgräben durchzogen ist. Weil nur wenn man ordentlich Entwässern kann, darf man Bewässern, da sonst der Boden in kürzester Zeit total versalzt. Das Wasser für dieses ausgeklügelte System kommt in einem großen Hauptkanal direkt aus dem Colorado River, und erreicht das Imperial Vally im Südosten, direkt an der mexikanischen Grenze. Von hier aus verzweigt es sich in immer kleinere Kanäle, die über Schieber genaustens reguliert werden können. An jedem Feld ist auf der einen Seite ein Kanal zur Wasserversorgung, und auf der anderen Seite ein Graben zur Wasserentsorgung.

Hier mal ein Kanal zur Wasserversorgung. Die Gräben zum Abfluss habe ich noch nicht fotografiert.
Die Flächen sind dann so angelegt, dass immer sogenannte 'Beds' von kleinen Dämmen unterteilt werden. Auf diesem Bild ist es recht schön zu erkennen, da hier die Schafe dafür gesorgt haben, dass die Dämme schon blank sind.

Diese Dämme haben übrigens den Abstand 45 oder 90 ft (13,5 Meter oder 27 Meter) Eigentlich Ideal für den BiG M500! Die so angelegten Flächen werden dann komplett geflutet. Das Wasser läuft von der Zuleitungsseite über die Flächen und dann auf der anderen Seite des Feldes wieder ab.

Alternativ gibt es auch diese Art des Anbaus. Die Reihen der anzubauenden Frucht sehen auf den Dämmen (immer 4 bis 6 Reihen), und dann kommt ein Graben, durch den das Wasser fließt. Durch die Kapillarwirkung des Bodens saugt sich dann der ganze Damm langsam voll. Je nachdem, wie man die Rinnen flutet, kann man auch die Bewegung des Salzes im Boden steuern.


Hier sieht man, wie sich der 'New River' in den zwei Jahren (1905 und 1906) in den Boden gefressen hat, als er vom Colorado River nach einem Dammbruch gespeist den Salted Sea aufgefüllt hat.

Hier auf dem Silo dieser Zuckerfabrik sieht man recht nett eine Makierung, die den Meeresspiegel angibt. Das ganze Tal befindet sich also teilweise weit unter dem Meeresspiegel. Eine eigene Zuckerfabrik im Tal lässt darauf schließen, dass viele Zuckerrüben angebaut werden, und genau so ist es auch. Immer wieder sieht man Felder, auf denen die großblättrige Frucht zu sehen ist.

Hier mal ein Bild von einem Rindermastbetrieb. Wir sind einige Minuten an der Anlage vorbeigefahren. Das Ganze von vorne bis hinten aufs Bild zu bekommen, war einfach nicht möglich, aber mir wurde berichtet, dass alleine diese Anlage ca. 50.000 bis 70.000 Rinder mästet. Zusammen mit anderen, deutlich kleineren Standorten im Valley mästet Brandt über 100.000 Rinder. Brandt hat sogar einen eigenen Bahnanschluss mit Futtersilo, in dem 100 Waggonladungen zwischengelagert werden können. Außerdem hat sie einen eigenen Schlachthof. Wenn man ( 7015 Brandt Road, Calipatria, CA ) bei Google Maps ins Suchfenster eingibt, bekommt man einen schönen Überblick über die Anlage. Ob die Mastrinder in dieser Anlage allerdings glücklich sind.... Immerhin fressen sie sich regelrecht zu Tode.

Hier werden gerade Möhren geerntet. Anschließend werden die Möhren nicht nur aus dem Imperial Valley nach Bakersfield transportiert, wo sie weiterverarbeitet werden. Aber aus dieser Gegend (Imperial Valley plus einige kleinere Valleys in der Nachbarschaft) werden täglich 700 LKW-Züge nach Bakersfield gefahren. Für mich ist das unvorstellbar, und ich habe extra mehrmals nachgefragt. Ein Zug besteht immer aus zwei von diesen blauen Aufliegern. Der Vorteil des Imperial Valley in der Gemüseproduktion ist, dass das ganze Jahr über geerntet werden kann. Die Witterung ist eigentlich immer perfekt.

Hier sieht man ein Sellerie-Feld, das schon teilweise abgeerntet wurde. So weit das Auge reicht, ist hier nur Sellerie zu sehen. Daneben grenzt dann gleich ein Zwiebel-Feld an. Auch hier sieht man das Ende jedoch nicht. Im Winter kommen 80% der in den USA produzierten Gemüsesorten aus dieser Gegend. Im Sommer werden dann auf diesen Flächen andere Pflanzenarten angebaut - unter anderm Alfalfa.
Ein weiteres Highlight des heutigen Tages war eine Anlage, in der Stroh- und Heuballen an die Bedürfnisse der Exportmärkte sowie den Transport dort hin angepasst werden. Für den Transport werden die Ballen noch einmal neu gepresst - nur diesmal mit einem Hydraulikkolben, der die Ballen noch mal eben locker um das doppelte verdichtet. Außerdem werden kleine Portionen abgepackt, da gerade in Asien viele Kunden jeden Tag ihre Kleinballen kaufen, und teilweise mit dem Moped nach Hause befördern, um dort ihre ein oder zwei Rinder zu füttern. Das hier gezeigte Material ist für den Markt in Korea bestimmt.
Hier das Lager und die wartenden Container-LKW.

Hier werden die Ballenstapel aufgelöst, und der Presse zugeführt.

Hier werden die Ballen dann vom Garn befreit, und der Presse in Form von einer langen Reihe gepresstem Stroh zugeführt.

Mit diesem hydraulischen Bügel wird dann ein neues Futterpaket in die Presse geschoben.

Hier sieht man dann den dicken Kolben, der das Material zu einem neuen Ballen presst, und dabei gleich noch einmal in der Höhe trennt, indem er es durch ein Messer drückt.

Hier sieht man dann die neue 'Bindung' (die beiden weißen runden Rollen) und das Ergebnis des Press- und Schneidevorgangs.

Hier das Kraftwerk der ganzen Anlage.

Hier mal eine Nahaufnahme von so einem verdichteten Ballen. Die Fläche ist hart wie Holz.

Und hier werden die Ballen dann nach dem Wickeln mit Wickelfolie in den Conteinern verstaut. Doch warum das Ganze? Mit einer herkömmlichen Presse erreicht man nicht die Ballendichten, die für einen Containertransport notwendig sind. Der Container wird nach Raum und nicht nach Gewicht bezahlt. Es gibt allerdings ein Maximalgewicht, und an dass sollte man nach Möglichkeit heran kommen, wenn man die Transportkosten möglichst gering halten möchte. Da dieses Nachverdichten natürlich nicht um sonst ist, und da wir mit unserer BiG Pack 1290 HDP von vornherien 25 % mehr Material in einen Ballen pressen können, ist diese Maschine gerade für diese Exportmärkte sehr interessant. Der ganze Zwischenschritt des Nachpressens kann bei der HDP entfallen. Einzig die Ballengröße eines 3 x 4 Ballens mit 8 ft Länge könnte in manchen Exportländern etwas Probleme bereiten. Aber auch hierfür wird sich dann sicherlich eine Lösung finden.

Hier mal ein Bild von Dienstag. Die Pressen gehören zur Firma Agritrade, die im ganzen Westen der USA tätig ist, und vier Tage die Woche täglich 200 Container zum Verschiffen nach Los Angeles bringt. Von der HDP ist man hier sehr begeistert. Denn nur mit dieser Presse ist es möglich, direkt Ballen zu pressen, die die Container an ihre Gewichtsgrenze bringen. Und nur wenn ein Container gewischtsmäßig ausgereizt ist, sind die Transportkosten minimal. Wenn man bedenkt, dass eine Tonne Heu in Asien über den Daumen bis zu 200 Dollar kostet..... Denn alleine der Container auf dem Schiff liegt schon bei ca. 1700 Dollar - und in einen 40 ft Container passen ziemlich genau 30 Ballen - macht fast 60 Dollar pro Ballen. Und dafür hat noch keiner gepresst, keiner das Heu verladen und keiner das Heu zum Hafen transportiert.

Alle Pressen werden bei Agritrade übrigens mit Ballensammler eingesetzt. Somit lassen sich bis zu drei Ballen am Feldrand ablegen, und weite Wege beim Einsammeln der Ballen entfallen. Gerade bei empfindlichen Beständen wie u.a. Alfalfa eine wichtige Sache. Zudem kann der Ballensammelwagen mit einer Waage ausgestattet sein, um das Ballengewicht immer direkt zu überprüfen.

So viel für heute!
Es ist mal wieder spät geworden, aber die Bilder wollte ich euch alle hochladen. Also, bis die Tage!

Gruß aus El Centro
Niklas

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