Sonntag, 18. April 2010

Weekend - San Luis Obispo und die California Polytechnic State University

Hallo,

heute melde ich mich mal wieder aus Bakersfield nach einem tollen Tag an der Cal Poly (California Polytechnic State University) in San Luis Obispo. Dort ist nämlich dieses Wochenende 'Tag der offenen Tür' gewesen. Aber von vorne:

Bevor ich mich in El Centro mit meinem JCB auf den langen Weg nach Bakersfield gemacht habe, musste ich ihm noch eine Kleinigkeit Diesel (ca. 120 Gallonen) gönnen. An der Tankstelle hielt dann plötzlich ein Pick Up Truck neben mir an, und der Kunde, bei dem wir die erste Demonstration hatten, sprang heraus. Als er hörte, dass ich ab Freitagabend in Bakersfield bin, schlug er spontan vor, dass wir uns ja, sofern ich Lust habe, am Samstag in San Luis Obispo an der Cal Poly treffen könnten. Sein Sohn studiert dort, und es sei am Wochenende dort ein großes Fest mit 'Tractor Pulling' und 'Rodeo'. Und das Ganze sei ja nur 120 Meilen westlich von Bakersfield. Da ich Samstag in der Tat noch nichts vor hatte, habe ich mich kurzerhand verabredet, und bin dann gestern auch dort hin gefahren. Leider habe ich auf dem Hinweg eine Abzweigung des Highway 58 verpasst, und bin auf derm Highway 33 etwas zu weit nach Süden gefahren. Als ich das bemerkt habe, hatte ich aber keine Lust, die ganze Strecke durch drei Orte zurück zu fahren, und bin kurzerhand etwas weiter südlich nach Westen gefahren. Eine tolle und abwechslungsreiche Landschaft habe ich dabei durchquert.
Nach den bewässerten Feldern im Central Valley begann eine steppenähnliche Gegend, die mich jedoch sehr an die Dünenlandschaft auf den Nordseeinseln erinnerte.

Dann wechselte das Landschaftsbild plötzlich sehr abrupt. Ich kam mir vor, als ob mich jemand nach Aserbaidschan gebeamt hätte. Rechts und Links der Straße standen hunderte von Ölförderpumpen, die ganze Gegend war von einem Gewirr von oberirdisch verlaufenden Leitungen durchzogen, und teilweise war der Boden um die Pumpen herum mit Öl beschmutzt. Außerdem lag so ein leicht öliger Geruch in der Luft. Wie man mir erzählt hat, ist das Öl in der Bakersfield Ärea sehr dickflüssig, und muss durch in den Boden gepressten Dampf erst verflüssigt werden, um es pumpen zu können. 
Aber zum Glück ändern sich die Landschaften ja hier sehr schnell, und hinter dem nächsten Pass sah es wiederum komplett anders aus.
Ich war inzwischen auf dem Highway 166 und hatte Cuyama passiert. Wie mir das letzte Schild in Cuyama verraten hat, gibt es die nächsten 54 Meilen keinen Service - und das Schild hatte Recht. 54 Meilen bin ich durch offenes Weideland gefahren, ab und zu war am Wegesrand die ein oder andere aktive oder verlassene Ranch zu sehen, und die Weiden blühten teilweise sehr prächtig in allen möglichen Farben.
Einige Meilen weiter ging es dann noch mal durch saftig grüne Berge, bevor ich auf dem Highway 101 die letzten Meilen Richtung Norden, nach San Luis Obispo antrat. Von hier aus konnte man kurzzeitig auch wieder die tolle, schroffe Pazifikküste betrachten.
 
In San Luis Obispo an der Cla Poly angekommen, habe ich mich dann mit unserem Kunden getroffen, der schon am Eingang zum Tractor Pulling auf mich wartete. Aufgrund meines verpassten Abzweiges von Higway 33 auf den Highway 58 war ich etwas spät, und das Tractor Pulling hatte bereits 10 Minuten angefangen. Aber bekanntlich kommt das beste ja immer zum Schluss, und somit hatte ich zwei Pulls der kleinen Klasse verpasst. Am coolsten fand ich neben der großen Klasse mit Gasturbinen und mehreren Motoren auch die Klasse der Trucks. Aber seht selbst - hier ein paar Impressionen:
Mehr zu dem Thema Tractor Pulling gibt es auf der Homepage der Universität. Sehr interessant finde ich, dass die Uni selber zwei Boliden, 'Mustang Fever' und 'Poly Thunder' besitzt, und es eine eigene 'class' gibt, die sich dem Thema Tractor Pulling, Bremswagen etc widmet. Die meisten der Traktoren haben übrigens Motoren ohne irgend ein Kühlsystem. Weder Wasser noch Luft. Der Alkohol, mit dem sie betrieben werden, verbrennt einerseits deutlich kälter als herkömmliches Benzin, und andererseits machen die Motoren ja auch nur einen Lauf. Danach ist Schluss. Und Mustang Fever hätte eigentlich noch einmal stechen müssen, hat dieses aber nicht gemacht, um den Motor, für den man so gut wie keine Ersatzteile mehr bekommt, zu schonen. Denn schließlich sollen die nächsten Jahrgänge auch noch Spass mit dem Gefährt haben. Alles in allem war die Veranstaltung schon sehr cool, und der teilweise ohrenbetäubende Lärm sowie die Rußwolken waren schon beeindruckend. Aber das größte Problem für die Puller, egal, wie viel PS sie hatten, war, die Kraft auf den Boden zu bekommen. Ich denke, mit meinem Meisterstück deutscher Ingenieurskunst, meinem Universalen Motor Gerät (auch UNIMOG genannt) hätte ich sie wahrscheinlich alle geschlagen ;-)

Nach ca. 2 Stunden Tractor Pulling hat man mir dann das Universitätsgelände gezeigt. Unser Kunde hat selber bis 1983 dort studiert, und beliefert die Uni auch heute noch mit Heu, und sein Sohn studiert dort im letzten Semester. Von einem neugeborenen Fohlen ....
.... das gerade mal 14 Stunden alt war, wie uns das Schild verraten hat .....
.... über die Schweineaufzucht, die Gewächshäuser der Gartenbauer, das Heulager, das Baseballfeld und den Milchkuhstall habe ich alles gezeigt bekommen. Anschließend war dann um 5 Uhr pm das Rodeo angesetzt. Da ich vorher noch nie ein Rodeo gesehen habe, war ich auf dieses Ereignis ganz besonders gespannt.

Sehr schön war auch, dass ich fachkundiges Publikum zu meiner Seite hatte, dass mir die ganzen Regeln erklären konnte. Los ging es mit dem Reiten von wilden Pferden.

Bei dieser Disziplin muss der Reiter mindestens 8 Sekunden auf dem Pferd sitzen bleiben, und darf dabei seine Füsse nicht höher als zur Schulter des Pferdes heben. Anschließend kommen ihm die Teammitglieder zur Hilfe, und während sie das wilde Pferd zwischen sich nehmen, steigt der Reiter auf ein Pferd seiner Teammitglieder über.

Die nächste Disziplin war das Einfangen von Cattle (jungen Rindern). Dazu startet sowohl das Jungvieh als auch der Cowboy aus einem Gitterkäfig an der Seite des Feldes, reitet neben das fliehende Jungvieh, schmeißt sich von seinem Pferd auf das Jungrind, fasst es an den Hörnern und wirft es zu Boden. Die Zeit von Start bis zu dem Zeitpunkt, wo das Rind seitlich auf dem Boden liegt, wird gemessen, und der Beste hat es in 5,4 Sekunden gemacht.


Dann als nächstes mussten zwei Cowboys ein Rind mit dem Lasso einfangen. Dazu musste einer das Lasso um den Hals des Rindes, und der Andere um die beiden Hinterläufe werfen. Auch hier wurde wieder die Zeit gemessen. Hatte man nur einen Hinterlauf, gab es Zeitstrafen. Die Zeiten lagen hier um die 7 Sekunden.


Ich weiß, wie schwer es ist, mit einem Festmacher einen Poller zu treffen. Die Wurfkünste dieser Cowboys und Cowgirls sind regelrecht beeindruckend.

Dann kam die Disziplin, bei der der Cowboy ein Rind mit dem Lasso fangen muss, vom Pferd springt, das Rind zu Boden wirft, und drei Läufe mit einem anderen Seil zusammen bindet. Anschließend darf sich das Rind 6 Sekunden nicht bewegen oder befreien. Sehr interessant hierbei ist, dass auch die Pferde genau wissen, wie sie mitarbeiten müssen. Sie sehen zu, dass das Lasso immer gespannt bleibt, indem sie rückwärts laufen.

Als Aufmunterung kam dann eine Spassdisziplin, in der jedes Team ohne Pferd ein Rind fangen und diesem dann ein T-shirt als Hose anziehen muss. Das schnellste Team gewinnt diesen Kontest.
Das Team 'Flamingos' hatte sich hierzu eine wirklich lustige Verkleidung ausgedacht. Das zeigt schon, wie ernst diese Disziplin ist.
Und irgendwie sah das Rind mit seinem neuen 'Beinkleid' auch nicht wirklich glücklich aus.

Dann kam als vorletzte Disziplin das Reiten durch einen Parcour, der aus drei 'Tonnen' bestand. Um zwei Tonnen musste in einer Richtung, um die dritte Tonne in einer anderen Richtung gewendet werden. Gestoppt wurde die Zeit. Wenn ein Pferd die Tonne berührt, und dabei umwirft, gibt es Strafsekunden.

Als letztes kam dann das wohl Spektakulärste. Das 'Bull Riding'. Es ist schon Wahnsinn, wenn man sieht, wie schnell sich diese Schwergewichte bewegen können, und vor allem, wenn man über die Risiken nachdenkt. Dass der Rettungswagen bereit steht, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Aber Gestern wurde er auch gebraucht, weil ein Reiter unter den Bullen gekommen ist. Er konnte jedoch noch selbstständig das Feld verlassen, was dann hinter der Absperrung gelaufen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe nur noch gesehen, wie er dort dann zusammen gebrochen ist. Aber auch das gehört bei einem Rodeo dazu, wie man mir versicherte, und schließlich wird jeder vorher auf die Risiken hingewiesen, und unterschreibt dafür, dass er das Risiko selber trägt.
Mehr Infos zum Rodeo bietet hoffentlich in den nächsten Tagen die Internetseite des Cal Poly Rodeo Clubs

Wir sind dann nach dem Rodeo noch zu einem Restaurant südlich von San Luis gefahren, und haben den Tag mit einem gemütlichen Essen ausklingen lassen. Anschließend bin ich zurück nach Bakersfield gefahren, wo ich gegen 1 Uhr im Hotel angekommen bin. Diesmal habe ich jedoch auf Empfehlung eine weiter nördlich verlaufende Route bestehend aus Highway 101, Highway 41 und Highway 46 gewählt. Die Strasse ist nicht so kurvig wie der etwas weiter südlich verlaufende Highway 58 - was ja im Dunkeln durchaus besser ist.

Alles in allem war es ein toller Tag, an dem ich wieder viel Neues kennen gelernt habe. Vor allem auch die Gastfreundschaft der Amerikaner begeistert mich immer wieder.

Ich hoffe, das heutige Update war nicht zu lang und zu langweilig, und ich wünsche euch allen einen guten Wochenstart. Bis die Tage!

Euer Niklas

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