Freitag, 26. Februar 2010

Imperial Valley - so far!

So, da bin ich wieder.

Heute bin ich bereits wieder in San Diego, und befinde mich langsam auf der Rückreise. Nächste Woche werde ich dann einen Zwischenstopp in Bakersfield bei Pioneer Equipment machen, wo meine Vorführpresse auf mich wartet, und werde an der Maschine alles startklar machen. Das bedeutet, ich werde die Checkliste zur Auslieferung durchgehen, und alles überprüfen. Die wichtigsten Punke dabei sind, dass alle Ölstände in den Getrieben noch mal kontrolliert werden, die Taktung zwischen Kolben, VFS und Nadeln noch mal überprüft wird, und das die wenigen mauellen Schmierstellen, die nicht an der Zentralschmierung hängen, noch mal Fett bekommen. Außerdem bekommt die Presse noch zwei Zusatzausstattungen von Harvest Tec - einmal eine Feuchtemesseinrichtung, mit der permanent die Ballenfeuchte gemessen wird, und einmal einen Tagger, der die Ballen mit einem Barecode versieht, in dem dann alle wichtigen Daten gespeichert sind. Dazu kommen die Jungs von Harvest Tec am Mittwoch und bauen mit meiner Unterstützung die beiden Sachen an.

Aber zurück zur letzten Woche. Alles in allem ist die Woche als sehr erfolgreich zu bewerten. Ich habe viel von meinem ersten Einsatzort bei der Roadshow kennen gelernt. Außerdem habe viele neue Bekanntschaften gemacht, zu denen neben Kunden und potentiellen Kunden aus der Imperial Valley Region auch diese hier in San Diego gehört....
...war aber zum Glück auf der anderen Seite eines Zauns, im Zoo von San Diego!

Unsere Kunden waren dann zum Glück nicht ganz so furchteinflößend. Dafür hatten sie viele interessante Geschichten über ihr Business und ihre Pressen, egal ob Wettbewerb oder Krone Maschinen, zu erzählen. Die Roadshow hat während des Aufenthaltes ein deutlich klareres Gesicht für mich bekommen. Ich weiß jetzt, wo es hin geht, wen ich treffen werde, und überhaupt, ich kenne die Gegend und die Besonderheiten ein wenig mehr.
Tom Brown, unser Mann von Central Implement, dem Händler vor Ort, hat mir wärend den drei Tagen auch viele tolle und beeindruckende Sachen rechts und links des Weges gezeigt. Da er einige Zeit im Imperial Valley gelebt hat, kennt er hier Land und Leute. So habe ich in der letzten Woche dort Maschinen und Techniken gesehen, die ich sonst nur - wenn überhaupt - aus dem Fernsehen kannte, oder die mich durch ihre Größe einfach nur beeindruckt haben.

Hier noch einige weitere Eindrücke vom Wegesrand:
Sehr schön anzusehen waren z.B. diese Selbstfahrer zur Salaternte, die aufgrund der Hygienebestimmungen der Lebensmittelverordnung in den Vereinigten Staaten komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt werden müssen.


Dann hier mal ein Foto von den vielleicht tollkünsten Piloten der heutigen Zeit. Nicht selten werden am Feldende die Stromleitungen an den Telegrafenmasten unterflogen, bevor dann fast kunstflugartig Umgedreht wird, um die nächste Reihe auf dem Feld mit Spritzmittel zu versorgen. 'Crop Duster' - die wahre Meister der Lüfte!

Dann haben wir am Wegesrand einen dieser schnellen Stapler (Roadrunner) beim Verladen von Ballen gesehen. Auch das ist sehr imposant, wenn man sieht, wie schnell und präzise die Fahrer mit ihrer Maschine arbeiten und die Ballen umgestapelt und Verladen werden.

Seh interessant und toll anzusehen waren auch die Trainingsflüge der 'Blue Angels', einer Kunstflugtruppe der US Navy. Immer zwischen Januar und März trainiert die Truppe, bestehend aus sechs F/A 18 Hornet morgens über dem Imperial Valley. Stationiert sind sie zu dieser Zeit auf der Naval Air Facility, El Centro, California.
Nicht selten liegen nur wenige Fuss zwischen den Flügelspitzen der Kampfjets, und der Krach ist ohrenbetäubend! Leider kann man die tollen Manöver nur sehr schwer mit der Kamera einfangen. Aber ich habe mein Bestes gegeben, und mir sind einige wenige ganz brauchbare Fotos gelungen.

Für alle, die das Thema mehr interessiert, sei hier der Link (http://www.blueangels.navy.mil/) und der Link zu einem tollen Youtube-Video (http://www.youtube.com/watch?v=W6tB8Lf7YoU) genannt. Viele Szenen im Video sind übrigens im oder besser über dem Imperial Valley entstanden.

Dann gab es natürlich die schier endlos wirkenden Gemüsefelder, die zu dieser Jahreszeit abgeerntet wurden. Auch wenn ich den Gemüseanbau aus meiner Heimat etwas kenne - die Dimensionen hier sprengen alles. Ob Salat, Möhren, Sellerie, Zwiebeln - alles immer so weit das Auge reicht.


Gut, ein kleiner Wehmutstropfen war, dass man viele von den Schwadmähern gesehen hat. Aber leider (noch) keine BiG M. Aber ich denke, so begeistert, wie man derzeit von den Krone Pressen und vor allem von der BiG Pack 1290 HDP ist, ist das nur eine Frage der Zeit und natürlich des entsprechenden Marketings, bis die ersten BiG M in dieser Region rollen. Harte Arbeit wird es natürlich, denn Unsere High Tech Maschine ist natürlich in keiner Weise mit so einem doch sehr einfachen Schwadmäher zu vergleichen. Letztendlich schafft man aber mit dem BiG M auch so viel, dass er mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Schwadmäher ersetzen kann.
Und was ich bisher auch selten in einer landwirtschaftlich geprägten Region gehört habe, ist: "Regen, den brauchen wir hier nicht. Der kann ruhig weg bleiben." OK, wenn man sich dieses ausgeklügelte Bewässerungssystem anguckt, dann wird die Aussage sehr schnell verständlich. Mich hat es auf jeden Fall sehr beeindruckt, dass man eine ganze Region bewässern kann, ohne großartig Pumpen einzusetzen. Das Wasser fließt mit dem Gefälle von großen Kanälen durch Schotten geregelt in immer kleinere Kanäle, und schließlich in die einzelnen Betten der Felder. Auf der anderen Seite ist ein genau so aufwändiges Entwässerungssystem für die Drainagen vorhanden, damit der Boden nicht total versalzt.

Beenden möchte ich den heutigen Post mit dem letzten Bild, dass ich gestern kurz vor dem Verlassen des Imperial Valley gemacht habe. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Bergen im Westen. Zu diesem Zeitpunkt sind wir auf einer Party mit den ganzen Farmern der Region, die jeden Abend zu gewohnter Zeit an gewohnter Stelle stattfindet. Mit Bier und einem kleinen Snack steht man ums Lagerfeuer herum und fachsimpelt über das ein oder andere Thema, oder aber wie gestern über Krone BiG Baler!


Bis dahin! Ich werde mich jetzt erst mal ins Wochenende begeben und mir Los Angeles ein wenig angucken. Noch habe ich zeit dafür. Wenn ich den immer enger werdenden Zeitplan der Roadshow sehe, hoffe ich, dass der Tag wirklich 24 Stunden und die Nacht hat.

Gruß Niklas

Mittwoch, 24. Februar 2010

Imperial Valley - viel intensive Landwirtschaft unter Normal-Null

So, da bin ich wieder. Nach einem interessanten zweiten Tag mit vielen guten Kundengesprächen und vielen neuen Eindrücken möchte ich euch von dieser Gegend berichten.
Hier seht ihr mal ein Satellitenbild des ganzen Tals, oder besser gesagt dem Berich des Tals, in dem wir uns im Moment befinden. Am unteren Bildrand verläuft die Grenze nach Mexiko, und das obere Ende bildet der 'Salted Sea', ein See, der mehrere ft unter dem Meeresspiegel liegt, wie übrigens weite Teile des Imperial Valley, und der 1905 durch einen Dammbruch am Colorado River entstanden ist. In den zwei Jahren, die es dauerte, bis der Dammbruch unter Kontrolle gebracht werden konnte, ist der See auf 974 km² angewachsen, und ist damit der größte See Kaliforniens. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft in seinem Zuflussgebiet (der 'New River', der dreckigste Fluss der USA, mündet in den abflusslosen See) und der in diesem Gebiet intensiven Bewässerung ist der See jedoch heutzutage mit 4,4% Salzgehalt für viele Tierarten zu salzig. Außerdem begünstigen eingeleitete Nährstoffe und Chemikalien aus der Landwirtschaft gerade in den heißen Sommermonaten immer wieder ein massives Algenwachstum und dann ein 'umkippen' des Sees.

An den Ufern sieht man teils starke Salzkrusten.

Direkt neben dem See befinden sich einige geothermische Kraftwerke. Dabei wird durch die an dieser Stelle sehr dünne Erdkruste aufgewärmtes Grundwasser empor gefördert, und mit Hilfe dieser Erdwärme werden große Dampfturbinen in Bewegung versetzt, die dann zur Stromgewinnung genutzt werden. Das emporgeförderte Wasser wird wieder in den Untergrund injiziert, da es sehr viele Schwermetalle enthält, und sonst nicht zu gebrauchen ist. Außerdem kann es so, nachdem es im Untergrund wieder aufgewärmt worden ist, direkt wieder zur Energiegewinnung genutzt werden.


Hier mal ein Bild eines Bohrturms, mit dem immer neue 'Quellen' erschlossen werden.

Aber neben der Geothermie ist für uns natürlich die Landwirtschaft ein deutlich wichtigerer Punkt. Schließlich kann man ja kein warmes Wasser zu Ballen pressen ;-)
Wie man schon auf dem Satellitenbild weiter oben sehen kann, ist das Tal sehr grün. Das hängt damit zusammen, dass das ganze Tal mit einem ausgeklügelten System aus Be- und Entwässerungsgräben durchzogen ist. Weil nur wenn man ordentlich Entwässern kann, darf man Bewässern, da sonst der Boden in kürzester Zeit total versalzt. Das Wasser für dieses ausgeklügelte System kommt in einem großen Hauptkanal direkt aus dem Colorado River, und erreicht das Imperial Vally im Südosten, direkt an der mexikanischen Grenze. Von hier aus verzweigt es sich in immer kleinere Kanäle, die über Schieber genaustens reguliert werden können. An jedem Feld ist auf der einen Seite ein Kanal zur Wasserversorgung, und auf der anderen Seite ein Graben zur Wasserentsorgung.

Hier mal ein Kanal zur Wasserversorgung. Die Gräben zum Abfluss habe ich noch nicht fotografiert.
Die Flächen sind dann so angelegt, dass immer sogenannte 'Beds' von kleinen Dämmen unterteilt werden. Auf diesem Bild ist es recht schön zu erkennen, da hier die Schafe dafür gesorgt haben, dass die Dämme schon blank sind.

Diese Dämme haben übrigens den Abstand 45 oder 90 ft (13,5 Meter oder 27 Meter) Eigentlich Ideal für den BiG M500! Die so angelegten Flächen werden dann komplett geflutet. Das Wasser läuft von der Zuleitungsseite über die Flächen und dann auf der anderen Seite des Feldes wieder ab.

Alternativ gibt es auch diese Art des Anbaus. Die Reihen der anzubauenden Frucht sehen auf den Dämmen (immer 4 bis 6 Reihen), und dann kommt ein Graben, durch den das Wasser fließt. Durch die Kapillarwirkung des Bodens saugt sich dann der ganze Damm langsam voll. Je nachdem, wie man die Rinnen flutet, kann man auch die Bewegung des Salzes im Boden steuern.


Hier sieht man, wie sich der 'New River' in den zwei Jahren (1905 und 1906) in den Boden gefressen hat, als er vom Colorado River nach einem Dammbruch gespeist den Salted Sea aufgefüllt hat.

Hier auf dem Silo dieser Zuckerfabrik sieht man recht nett eine Makierung, die den Meeresspiegel angibt. Das ganze Tal befindet sich also teilweise weit unter dem Meeresspiegel. Eine eigene Zuckerfabrik im Tal lässt darauf schließen, dass viele Zuckerrüben angebaut werden, und genau so ist es auch. Immer wieder sieht man Felder, auf denen die großblättrige Frucht zu sehen ist.

Hier mal ein Bild von einem Rindermastbetrieb. Wir sind einige Minuten an der Anlage vorbeigefahren. Das Ganze von vorne bis hinten aufs Bild zu bekommen, war einfach nicht möglich, aber mir wurde berichtet, dass alleine diese Anlage ca. 50.000 bis 70.000 Rinder mästet. Zusammen mit anderen, deutlich kleineren Standorten im Valley mästet Brandt über 100.000 Rinder. Brandt hat sogar einen eigenen Bahnanschluss mit Futtersilo, in dem 100 Waggonladungen zwischengelagert werden können. Außerdem hat sie einen eigenen Schlachthof. Wenn man ( 7015 Brandt Road, Calipatria, CA ) bei Google Maps ins Suchfenster eingibt, bekommt man einen schönen Überblick über die Anlage. Ob die Mastrinder in dieser Anlage allerdings glücklich sind.... Immerhin fressen sie sich regelrecht zu Tode.

Hier werden gerade Möhren geerntet. Anschließend werden die Möhren nicht nur aus dem Imperial Valley nach Bakersfield transportiert, wo sie weiterverarbeitet werden. Aber aus dieser Gegend (Imperial Valley plus einige kleinere Valleys in der Nachbarschaft) werden täglich 700 LKW-Züge nach Bakersfield gefahren. Für mich ist das unvorstellbar, und ich habe extra mehrmals nachgefragt. Ein Zug besteht immer aus zwei von diesen blauen Aufliegern. Der Vorteil des Imperial Valley in der Gemüseproduktion ist, dass das ganze Jahr über geerntet werden kann. Die Witterung ist eigentlich immer perfekt.

Hier sieht man ein Sellerie-Feld, das schon teilweise abgeerntet wurde. So weit das Auge reicht, ist hier nur Sellerie zu sehen. Daneben grenzt dann gleich ein Zwiebel-Feld an. Auch hier sieht man das Ende jedoch nicht. Im Winter kommen 80% der in den USA produzierten Gemüsesorten aus dieser Gegend. Im Sommer werden dann auf diesen Flächen andere Pflanzenarten angebaut - unter anderm Alfalfa.
Ein weiteres Highlight des heutigen Tages war eine Anlage, in der Stroh- und Heuballen an die Bedürfnisse der Exportmärkte sowie den Transport dort hin angepasst werden. Für den Transport werden die Ballen noch einmal neu gepresst - nur diesmal mit einem Hydraulikkolben, der die Ballen noch mal eben locker um das doppelte verdichtet. Außerdem werden kleine Portionen abgepackt, da gerade in Asien viele Kunden jeden Tag ihre Kleinballen kaufen, und teilweise mit dem Moped nach Hause befördern, um dort ihre ein oder zwei Rinder zu füttern. Das hier gezeigte Material ist für den Markt in Korea bestimmt.
Hier das Lager und die wartenden Container-LKW.

Hier werden die Ballenstapel aufgelöst, und der Presse zugeführt.

Hier werden die Ballen dann vom Garn befreit, und der Presse in Form von einer langen Reihe gepresstem Stroh zugeführt.

Mit diesem hydraulischen Bügel wird dann ein neues Futterpaket in die Presse geschoben.

Hier sieht man dann den dicken Kolben, der das Material zu einem neuen Ballen presst, und dabei gleich noch einmal in der Höhe trennt, indem er es durch ein Messer drückt.

Hier sieht man dann die neue 'Bindung' (die beiden weißen runden Rollen) und das Ergebnis des Press- und Schneidevorgangs.

Hier das Kraftwerk der ganzen Anlage.

Hier mal eine Nahaufnahme von so einem verdichteten Ballen. Die Fläche ist hart wie Holz.

Und hier werden die Ballen dann nach dem Wickeln mit Wickelfolie in den Conteinern verstaut. Doch warum das Ganze? Mit einer herkömmlichen Presse erreicht man nicht die Ballendichten, die für einen Containertransport notwendig sind. Der Container wird nach Raum und nicht nach Gewicht bezahlt. Es gibt allerdings ein Maximalgewicht, und an dass sollte man nach Möglichkeit heran kommen, wenn man die Transportkosten möglichst gering halten möchte. Da dieses Nachverdichten natürlich nicht um sonst ist, und da wir mit unserer BiG Pack 1290 HDP von vornherien 25 % mehr Material in einen Ballen pressen können, ist diese Maschine gerade für diese Exportmärkte sehr interessant. Der ganze Zwischenschritt des Nachpressens kann bei der HDP entfallen. Einzig die Ballengröße eines 3 x 4 Ballens mit 8 ft Länge könnte in manchen Exportländern etwas Probleme bereiten. Aber auch hierfür wird sich dann sicherlich eine Lösung finden.

Hier mal ein Bild von Dienstag. Die Pressen gehören zur Firma Agritrade, die im ganzen Westen der USA tätig ist, und vier Tage die Woche täglich 200 Container zum Verschiffen nach Los Angeles bringt. Von der HDP ist man hier sehr begeistert. Denn nur mit dieser Presse ist es möglich, direkt Ballen zu pressen, die die Container an ihre Gewichtsgrenze bringen. Und nur wenn ein Container gewischtsmäßig ausgereizt ist, sind die Transportkosten minimal. Wenn man bedenkt, dass eine Tonne Heu in Asien über den Daumen bis zu 200 Dollar kostet..... Denn alleine der Container auf dem Schiff liegt schon bei ca. 1700 Dollar - und in einen 40 ft Container passen ziemlich genau 30 Ballen - macht fast 60 Dollar pro Ballen. Und dafür hat noch keiner gepresst, keiner das Heu verladen und keiner das Heu zum Hafen transportiert.

Alle Pressen werden bei Agritrade übrigens mit Ballensammler eingesetzt. Somit lassen sich bis zu drei Ballen am Feldrand ablegen, und weite Wege beim Einsammeln der Ballen entfallen. Gerade bei empfindlichen Beständen wie u.a. Alfalfa eine wichtige Sache. Zudem kann der Ballensammelwagen mit einer Waage ausgestattet sein, um das Ballengewicht immer direkt zu überprüfen.

So viel für heute!
Es ist mal wieder spät geworden, aber die Bilder wollte ich euch alle hochladen. Also, bis die Tage!

Gruß aus El Centro
Niklas

Dienstag, 23. Februar 2010

Imperial Valley - eine lange Reise!

Moin moin,

heute möchte ich euch endlich etwas über meine lange Reise ins 'Imperial Valley' erzählen. Am besten fange ich ganz vorne an - um genauer zu sein, Sonntag morgen, 7 Uhr in Reno. Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes.
Über Nacht hat es fast 30 cm Neuschnee gegeben. Und ich muss aus dem ca. 3000 ft hohen Reno über den 7500 ft hohen Donner Pass Richtung Kalifornien.

Nachdem ich mühevoll meine Koffer durch den Schnee geschleppt habe, dann das Auto "ausgegraben" habe, die Schuhe wieder geleert, und mich dann auf den Weg ins Office gemacht habe, höre ich unterwegs erst mal den Zustandsbericht der Straßen im Radio. Dort wird zur Interstate 80 immer wieder von 'chains' und 'except 4x4 drive' gesprochen. Ich bin mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, was 'except' eigentlich genau heißt, bin dann aber doch recht erleichtert, als mir LEO (http://dict.leo.org/) im Büro sagt, dass es soviel wie 'ausgenommen' heißt. Meine Tour kann also losgehen, wenn auch unter extrem widrigen Wetterbedingungen.

Hier seht ihr mal die Route, die ich vor mir habe. Es sind ca. 630 Meilen (1010 km) , und Google Maps schreibt etwas von 10,5 Stunden. Na toll! Und das bei Schnee. Die ersten Meter sind dann auch sehr rutschig, und trotz 4x4 komme ich nur ehr schleppend mit ca. 40 mph vorwärts. Dichtes Schneetreiben macht die Situation nicht unbedingt übersichtlicher, und die normalen PKW und die Trucks sind bereits alle mit Schneeketten unterwegs.

Doch schon kurze Zeit später, als ich wieder etwas weiter in die Berge komme, hört der Schneefall plötzlich auf, und die Strasse ist frei. Puh - geschafft.
Denkste! Plötzlich höre ich im Radio, dass die Interstate 80 nach einem schweren Unfall ab Truckee in Richtung San Francisco voll gesperrt ist. Als ich mich der letzten Ausfahrt nähere, parken schon überall LKW und PKW auf der Interstate. Ich fahre frohen Mutes erst einmal ab, und frage noch in der Ausfahrt die freundlichen Verkehrsanweiser, wie ich denn am Besten weiter komme. Diese nehmen mir doch recht schnell alle Hoffnung, als sie mir die Alternativen aufzählen. Entweder quer durch, ganz am Lake Tahoe runter, um dann auf den Highway 50 zu gelangen, der jedoch deutlich schlechter geräumt ist, oder aber warten. Eine andere Parallelstraße gibt es nicht. Ein Anruf bei Brent, und auch er empfiehlt mir, lieber zu warten. Also stehe ich ca. eine Stunde neben der Abfahrt auf einem Parkplatz, und warte - mit noch weit über 500 Meilen vor der Brust. Toll!
Gegen Mittag geht es dann aber weiter, und ich komme auch recht zügig voran. Ich fahre erst Richtung Sacramento, und begebe mich dort auf den Highway 99, da ich noch in Tulare meine 'Business Cards' abholen muss, die während der Messe ins Hotel geschickt wurden, dort aber irgendwie vergessen worden sind. 
Die Fahrt durch Kalifornien ist eigentlich sehr nett. Zwar regnet es immer mal wieder, aber am Straßenrand blühen die Obstbaumplantagen, und auch sonst ist schon alles sehr frühlingshaft.
 

Hinter Bakersfield endet dann plötzlich das große Tal, durch dass ich die ganze Zeit gefahren bin, und es geht wieder steil in die Berge. Leider wird es auch schon langsam etwas dunkel, und es regnet auch wieder leicht, so dass das fotografieren kurz vor LA dann doch nicht mehr funktioniert. Gerade in LA ist es schon sehr imposant. Ich war vorher soweit ich mich erinnern kann noch nie auf einer Interstate oder einer Autobahn unterwegs, auf der es 8 (acht) Spuren pro Richtung gab. Auch habe ich solche Bauwerke wie die dortigen Autobahnkreuze noch nirgendwo zuvor gesehen. Abends gegen 8:15 Uhr erreiche ich dann La Jolla, einen Vorort von San Diego. Am nächsten morgen muss ich um 11:30 Uhr meinen Kollegen Blake Fuller vom San Diego International Flughafen abholen, und somit ist das Etappenziel doch recht erfolgreich.

Nach einer Nacht im Hotel gucke ich mir am nächsten morgen nach dem eher schlechten Frühstück noch kurz die Gegend an. Hier ein Blick Richtung Pazifik

Und hier ein Foto direkt an der Küste, genauer gesagt am künstlichen Strand, der jetzt von den Seehunden als beliebter Rastplatz heimgesucht wird. Da die Tiere in Kalifornien unter Schutz stehen, dürfen sie bleiben, und lassen sich von oberhalb sehr gut beobachten.
Hier noch mal eine etwas größere Aufnahme:
Nachdem ich dann gerade im Auto sitze, und Richtung Flughafen unterwegs bin, ruft Blake an, dass sein Flug gestrichen ist, und dass er mit einem anderen Flieger um 14:10 ankommt. Sehr schön. Dank der so gewonnenen Zeit kann ich mir dann doch noch San Diego etwas angucken.
 


Im Hafen von San Diego liegt gerade die 'Radiance of the Seas'.  Ob diese Schiff  'Made im Emsland' ist, wollte ich auch nochmal nachgucken. Ich bin mir aber eigentlich sicher, dass sie von der Meyer Werft aus Papenburg kommt.

Nun ja, nach einem leckeren Mittagessen direkt am Hafen - Fisch, was sonst - habe ich dann pünktlich um 14:10 Uhr Blake am Flughafen abgeholt, der sich übrigens mitten in der Stadt befindet. Er begrüßt mich allerdings mit den Worten "They have lost my luggage". Angeblich soll der Koffer aber dann mit der nächsten Maschine um 15:30 Uhr eintreffen. Aber als auch um 16:00 Uhr noch kein Koffer da ist, sind wir nach El Centro im Imperial Valley aufgebrochen.
Nach der Ankunft haben wir uns mit dem örtliche Händler getroffen, und zusammen den Abend verbracht. Zwischendurch bekam Blake einen Anruf vom Flughafen, dass sein Koffer jetzt da sei. Nur nach El Centro könne man ihn nicht liefern, da das zu weit sei. Er würde aber am nächsten Tag per FedEx verschickt, und wäre dann Mittwoch hier. Wir haben uns dann entschieden, abends nach dem Essen um 21:30 Uhr noch mal nach San Diego zu fahren, haben dieses auch auf die Minute bis 23:15 Uhr geschafft, und waren um 1:20 Uhr wieder im Hotel.

Und demnächst erzähle ich euch dann was vom Imperial Valley. Nur dank der super langsamen Internet Verbindung schaffe ich es heute nicht mehr, die ganzen Bilder hoch zu laden. Also, bis die Tage!

Gruß Niklas